Der Literpreis in seinen Bestandteilen
Der Preis frei Verbrauchsstelle setzt sich aus dem Produktpreis im Großhandel, den Steuern und Abgaben und dem Anteil des Händlers für Logistik und Marge zusammen. Die Großhandelsnotierung ändert sich zwar täglich, aber für alle Anbieter gleich, und Steuern und Abgaben sind ohnehin für alle dieselben. Unterschiede zwischen zwei Angeboten entstehen deshalb im Anteil des Händlers.
| Bestandteil | Höhe | Fundstelle |
|---|---|---|
| Produktpreis Großhandel | täglich neu, in US-Dollar je Tonne | Notierung Nordwesteuropa5 |
| Energiesteuer | bis 31.12.2026 befristet 330,00 € je 1.000 l, also 33,00 Ct/l, sonst 47,04 Ct/l | § 2 Abs. 1 Nr. 4 b EnergieStG1, Zoll2 |
| CO₂-Preis (nEHS) | 2026 versteigert, im Korridor von 55 bis 65 € je t CO₂ | BEHG3 |
| Treibhausgasminderungsquote | 2026 12,0 %, die Kosten sind im Großhandelspreis enthalten | § 37a BImSchG4 |
| Erdölbevorratungsbeitrag | 3,00 € je m³, also 0,30 Ct/l, seit 1. April 2012 unverändert | EBV6 |
| Logistik und Händlermarge | bei jedem Anbieter verschieden | der Teil, über den verhandelt wird |
| Umsatzsteuer | 19 % auf die Summe | bei Vorsteuerabzug ein durchlaufender Posten |
Der Produktpreis folgt nicht dem Rohölpreis
Maßgeblich ist die Notierung für Diesel mit 10 ppm Schwefel in Nordwesteuropa und nicht die Rohölnotierung. Sie wird in US-Dollar je Tonne angegeben, und um daraus einen Literpreis in Euro zu machen, braucht man die Dichte und den Euro-Dollar-Kurs. Die Dichte liegt nach DIN EN 590 bei 15 °C zwischen 820 und 845 kg/m³.7 Beide Größen verändern den Einstandspreis, auch wenn sich am Rohölmarkt nichts tut. Deshalb gibt es Tage, an denen die Nachrichten von fallenden Ölpreisen berichten und Ihr Angebot trotzdem höher ausfällt.
Die Energiesteuer ist gesetzlich festgelegt und für alle gleich
Für Gasöl mit einem Schwefelgehalt von höchstens 10 mg/kg beträgt der Regelsatz 470,40 Euro je 1.000 Liter, also 47,04 Cent je Liter (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. b EnergieStG).1 Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 gilt befristet ein abgesenkter Satz von 330,00 Euro je 1.000 Liter, also 33,00 Cent je Liter und damit 14,04 Cent weniger.2 Denselben Satz gab es schon einmal vom 1. Mai bis 30. Juni 2026.11 Der Satz kann sich ändern, steckt aber in jedem Angebot in gleicher Höhe. Ob die Senkung bei Ihnen ankommt, sehen Sie deshalb nur im Vergleich mehrerer Angebote vom selben Tag.
CO₂-Preis und THG-Quote sind enthalten, aber nicht als fester Betrag
2026 werden die Zertifikate des nationalen Emissionshandels zum ersten Mal versteigert und nicht mehr zu einem Festpreis verkauft. Der Preis liegt in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂,3 und ein fester Aufschlag je Liter lässt sich daraus nicht mehr ableiten. Nennt jemand trotzdem einen genauen Cent-Betrag, beruht dieser auf einem angenommenen Zertifikatspreis und ist kein amtlicher Satz.
Ähnlich ist es bei der Treibhausgasminderungsquote, die 2026 bei 12,0 % liegt (§ 37a BImSchG).4 Verpflichtet ist der Inverkehrbringer, und die Kosten stecken schon im Großhandelspreis, bevor Ihr Händler kalkuliert. Wie die Nachweiskette aussieht, steht im THG-Dossier.
Vergleichen Sie Angebote außerdem immer netto, denn bei Vorsteuerabzug ist die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten und verzerrt nur den Vergleich.
Warum zwei Angebote am selben Tag auseinanderliegen
Weil Notierung und Steuern für alle gleich sind, entsteht der Unterschied im Anteil des Händlers. Dafür gibt es vor allem vier Gründe.
- Je näher das Tanklager liegt, an dem der Händler lädt, desto kürzer ist die Fahrt zu Ihnen.
- Auch der Bezugsweg spielt eine Rolle, denn wer direkt am Großtanklager lädt, hat einen anderen Einstandspreis als ein Händler, der bei einem Vorlieferanten kauft.
- Passt Ihre Menge in eine Tour, die ohnehin in Ihre Richtung fährt, ist der Frachtanteil je Liter klein, bei halb leeren Kammern dagegen nicht.
- Außerdem zählt die Menge je Anlieferung, weil die Fahrt fast dasselbe kostet, ob 3.000 oder 30.000 Liter auf dem Wagen sind.
Auf Tanklager und Bezugsweg des Händlers haben Sie keinen Einfluss, auf die Menge je Anlieferung und die Angaben in Ihrer Anfrage aber schon.
Was ein Angebot vergleichbar macht
Ein einzelnes Angebot lässt sich schwer beurteilen, einordnen können Sie es erst mit einem zweiten. Vergleichbar sind zwei Angebote aber nur, wenn sie in den folgenden sechs Angaben übereinstimmen.
- Beide Angebote stammen vom selben Tag, denn ein Angebot von letzter Woche sagt über den heutigen Preis nichts mehr aus.
- Sie gelten für dieselbe Menge je Anlieferung und nicht für die Jahresmenge.
- Geliefert wird an denselben Ort mit derselben Zahl an Abladestellen.
- Sorte und Norm sind gleich, also EN 590, EN 15940 (HVO100) oder Diesel ohne FAME.
- Das Zahlungsziel ist dasselbe, denn 20 Tage netto zu einem höheren Literpreis können unterm Strich günstiger sein als Vorkasse zum niedrigsten.
- Beide beziehen sich auf dieselbe Temperatur. Was es damit auf sich hat, steht im nächsten Abschnitt.
Fragen Sie außerdem, wie lange der Preis gilt, denn oft gilt er nur am selben Werktag.
Bezieht sich der Preis auf 15 °C oder auf Naturliter?
Kraftstoff dehnt sich aus, wenn er wärmer wird, und deshalb ist es keine Kleinigkeit, worauf sich Preis und Lieferschein beziehen. § 28 MessEV schreibt vor, das abgegebene Volumen bei leichtem Heizöl und bei Flüssiggas zum Verheizen auf 15 °C umzurechnen.8 Für Dieselkraftstoff gilt diese Pflicht nicht, dort ist die Bezugstemperatur Vereinbarungssache.
In der Praxis fällt das kaum auf, weil der Mineralölhandel auch bei Diesel durchgehend auf 15 °C umrechnet und die Messanlagen moderner Tankwagen das ohnehin tun. Wer Angebote vergleicht, vergleicht also in aller Regel dieselbe Bezugsmenge.
Die Umrechnung ist zwar üblich, ausdrücklich vereinbart ist sie aber erst, wenn sie in der Anfrage steht. Dafür reicht ein Satz wie „Abrechnung auf 15 °C“, und damit ist klar, welche Menge abgerechnet wird. Diesel dehnt sich je Grad um rund 0,8 Promille aus, und bei 30.000 Litern macht der Unterschied zwischen 5 °C und 25 °C Warentemperatur etwa 480 Liter aus.
Was Sie als Abnehmer selbst beeinflussen
Am Produktpreis und an den Steuern kann kein Einkäufer etwas ändern. Einfluss haben Sie auf die folgenden fünf Punkte.
- Wer zwei halbe Bestellungen zu einer größeren Menge je Anlieferung zusammenlegt, spart damit oft mehr, als er am Telefon heraushandeln könnte.
- Mit drei bis vier Tagen Vorlauf und einem Anlieferfenster statt eines festen Termins können mehrere Händler ihre Tour planen. Wer erst anruft, wenn der Tank fast leer ist, kann nicht mehr vergleichen und muss nehmen, was er bekommt.
- Nennen Sie Ihr Zahlungsziel von Anfang an, damit jeder Händler es in seinen Preis einrechnet.
- Klären Sie vorher die Zufahrt, also welcher Zug auf Ihren Hof passt und wie weit der Schlauch zum Domschacht reicht, sonst fährt die Lieferung unverrichteter Dinge wieder ab.
- Liegen zwei eigene Lieferstellen nah beieinander, kann eine Tour beide bedienen, und es lohnt sich, mehrere Standorte zu bündeln.
Was in ein vollständiges Angebot gehört
Ein belastbares Angebot nennt von sich aus die folgenden Angaben.
- den Preis je Liter netto frei Verbrauchsstelle, mit Bezugstemperatur
- Sorte und Norm, also EN 590, EN 15940 (HVO100) oder AdBlue nach ISO 22241
- die Menge und die zulässige Abweichung nach oben und unten
- den Liefertag oder das Lieferfenster
- das Zahlungsziel
- die Gültigkeitsdauer des Preises
- bei HVO100 den Nachhaltigkeitsnachweis des Lieferanten
Fehlt eine davon, fragen Sie nach, denn der Unterschied zwischen zwei Angeboten steckt oft genau in der Zeile, die eines der beiden nicht nennt.
Dieselzuschlag und Einkaufspreis sind bei Speditionen zwei Größen
Wenn mit dem Verlader eine Dieselklausel vereinbart ist, richtet sich der Zuschlag nach einem Index oder einer vereinbarten Referenz. Ihr eigener Einkaufspreis hängt davon nicht ab, der wird verhandelt. Verdienen können Sie deshalb an der Spanne zwischen Zuschlag und Einkaufspreis, und auf diese Spanne haben Sie nur über Ihren Einkauf Einfluss.
HVO100, AdBlue und die Nachweise
HVO100 ist paraffinischer Dieselkraftstoff aus hydrierten Ölen und Fetten. In reiner Form erfüllt er die EN 590 nicht, unter anderem wegen seiner geringeren Dichte. Deshalb gibt es für ihn eine eigene Norm, die DIN EN 15940. Seit der Änderung der 10. BImSchV darf er als Reinkraftstoff abgegeben werden.9
Für den Einkauf sind zwei Punkte wichtig. Ob ein Fahrzeug HVO100 tanken darf, hängt von der Freigabe des Fahrzeug- oder Motorherstellers ab und nicht von der Norm. Außerdem stellt der Lieferant den Nachhaltigkeitsnachweis aus, und ohne diesen Nachweis gilt die Lieferung auf dem Papier als fossil. Beides ist im THG-Dossier und unter Nachhaltigkeit und Nachweise erklärt.
AdBlue kann mit derselben Tour kommen, wenn der Händler es führt. Fragen Sie es deshalb am besten gleich mit ab.
Agrardiesel in der Land- und Forstwirtschaft
Land- und forstwirtschaftliche Betriebe können für Diesel, den sie für begünstigte Arbeiten verbrauchen, eine Steuerentlastung beantragen. Ab dem Verbrauchsjahr 2026 gilt wieder der volle Satz von 21,48 Cent je Liter, und die Entlastung wird nachträglich beantragt.10 Für den Preisvergleich ändert das nichts, denn die Entlastung gilt unabhängig davon, bei wem Sie kaufen. Umfang und Voraussetzungen klären Sie mit Ihrer Steuerberatung und dem Hauptzollamt.
Kurz gefragt
Wie hoch ist die Energiesteuer auf Dieselkraftstoff?
Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 gilt befristet ein abgesenkter Satz von 330,00 Euro je 1.000 Liter, also 33,00 Cent je Liter. Der Regelsatz für Gasöl mit einem Schwefelgehalt von höchstens 10 mg/kg beträgt 470,40 Euro je 1.000 Liter, also 47,04 Cent je Liter (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. b EnergieStG). Denselben abgesenkten Satz gab es schon einmal vom 1. Mai bis 30. Juni 2026.
Wird Diesel nach 15 °C oder nach Naturliter abgerechnet?
Vorgeschrieben ist die Umrechnung auf 15 °C nach § 28 MessEV nur für leichtes Heizöl und für Flüssiggas zum Verheizen. Bei Dieselkraftstoff ist die Bezugstemperatur Vereinbarungssache. Üblich ist die Umrechnung auf 15 °C auch dort, ausdrücklich vereinbart ist sie damit aber noch nicht, und deshalb gehört ein Satz dazu in die Anfrage.
Warum gilt ein Dieselangebot nur für einen Tag?
Der Produktpreis folgt einer täglich neuen Großhandelsnotierung in US-Dollar je Tonne. Zwischen Notierung und Literpreis stehen außerdem die Dichte des Produkts und der Euro-Dollar-Kurs. Der Händler kalkuliert deshalb einen Tagespreis, und vergleichen lassen sich nur Angebote vom selben Tag.
Der Weg über eine Ausschreibung
Am Telefon lässt sich das alles abarbeiten, indem Sie drei Händler anrufen, jedem dieselben Angaben durchgeben und abends die Zettel nebeneinanderlegen. Vergleichbar sind die Angebote dann aber selten, weil der eine mit 14 Tagen Zahlungsziel rechnet und der andere erst in der nächsten Woche liefern kann.
Bei einer Ausschreibung beziehen sich dagegen alle Angebote auf dieselben Angaben. Auf der Hoftankbörse legen Sie Sorte, Menge, Lieferort, Termin, Zahlungsziel und Frist einmal fest. Die Mineralölhändler aus Ihrer Region kalkulieren jeder für sich und geben verdeckt einen Preis ab. Jeder Händler hat dabei immer nur ein gültiges Angebot, das er bis Fristende zurückziehen und durch ein neues ersetzen kann.
Solange die Frist läuft, sehen Sie noch keine Preise, sondern nur, wie viele Angebote eingegangen sind. Liegt bei Fristende mindestens ein Angebot vor, müssen Sie kaufen. Sie sehen dann alle Angebote mit Preis, Zahlungsziel und Liefertermin und haben 30 Minuten Zeit zu wählen, wer liefert, auch ein anderes als das günstigste. Wählen Sie nicht, bekommt das günstigste Angebot den Zuschlag. Für die Reihenfolge zählt dabei der Effektivpreis, also der Literpreis einschließlich einer etwaigen Pauschale je Lieferung.
Liegt kein Angebot vor, endet die Ausschreibung ohne Kauf und ohne Kosten.
Bei öffentlichen Auftraggebern entfällt die Wahl, und das günstigste Angebot bekommt den Zuschlag. Nur wenn ein Angebot beim Liefertermin oder beim Zahlungsziel von der Ausschreibung abweicht, wählt auch der öffentliche Auftraggeber innerhalb von 30 Minuten.
Für Betriebe ist die Hoftankbörse kostenlos. Vertrag, Lieferung und Rechnung laufen direkt zwischen Ihnen und dem Händler, und Sie zahlen genau den Preis, den er abgegeben hat. Wie der Ablauf im Einzelnen aussieht, steht in den häufigen Fragen.
Quellen
- Zoll, § 2 Abs. 1 EnergieStG: 470,40 € je 1.000 l
- Zoll, erneute Senkung vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026: 330,00 € je 1.000 l (Meldung vom 29.09.2026)
- DEHSt, nEHS-Versteigerung ab 2026: 55 bis 65 €/t CO₂
- Zoll, THG-Quote nach § 37a BImSchG: 12,0 % für 2026
- S&P Global Platts, Refined Products Europe/Africa: Notierung in US-Dollar je Tonne
- Erdölbevorratungsverband, Beitrag: 3,56 €/t bzw. 3,00 €/m³, seit 1. April 2012
- EN 590, Dichte bei 15 °C 820 bis 845 kg/m³, FAME bis 7 % (V/V)
- § 28 MessEV, Umrechnung auf 15 °C: leichtes Heizöl, Flüssiggas zum Verheizen
- BMUKN, Paraffinische Dieselkraftstoffe nach EN 15940, 10. BImSchV
- BMLEH, Agrardiesel: 21,48 Ct/l ab Verbrauchsjahr 2026
- Zoll, Senkung vom 1. Mai bis 30. Juni 2026: 330,00 € je 1.000 l